Deborah Betschart

Arlesheim

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Wir werden alle geboren mit der Fähigkeit, uns mit unserer Stimme auszudrücken, ganz natürlich, ehrlich und authentisch. Unser Körper - unser Instrument - weiss, wie es geht! Als Babys und Kleinkinder benützen wir unsere Stimme auch rege in allen möglichen Varianten, spielen damit, freuen uns an ihr, probieren sie aus und teilen uns gerne auch lautstark mit. Wir empfinden uns noch als Einheit von Körper und Seele.

 

Oft kommt es vor, dass wir im Prozess des Reifens und Älterwerdens diesen natürlichen Zugang zunehmend verlieren. Es ist nicht mehr selbstverständlich. Vielleicht wird sogar das Urbedürfnis nach dieser Art des Sich-Ausdrückens als schamvoll empfunden. Man erinnert sich vielleicht daran, vom Lehrer einmal für seine Stimme kritisiert worden zu sein, oder andere schmerzliche Erlebnisse führen dazu, ganz zu verstummen. Daraus folgen dann die Annahmen, man könne halt nicht singen, sei unmusikalisch usw. Wir haben also unseren natürlichen Zugang zu unserer Stimme, dem spontanen Sich-Ausdrücken und damit auch zu einem wichtigen Seelenanteil verloren. Wir sind jetzt gross, kontrolliert und versuchen das Leben auch ganz gut ohne diesen Anteil in uns zu meistern.

Wenn man es trotzdem wagt, sich mit seiner Stimme auseinanderzusetzen, sie also zu schulen, führt es oft dazu, dass man mit ganz viel Kopf und Fleiss an die Sache herangeht. Singen wird ja oft als schwer und anstrengend dargestellt. Vielfach entstehen genau dann wieder grosse Schwierigkeiten. Sich eine Technik anzueigenen ist in der Tat nicht ganz einfach, Fehler und falsch Verstandenes führen oft zu Unzufriedenheit, Mühe mit Höhe, Tiefe, Übergängen, Intonation usw. Der Genuss, sich im Gesang frei und unverkrampft auszudrücken, bleibt aus.

 

Ausnahmen gibt es, das sind diejenigen, welche wir als intuitiv begabt beschreiben, sie singen eben einfach, selbstverständlich, authentisch und aus tiefer Verbundenheit mit sich selbst. Jedoch haben sie oft kein Bewusstsein darüber, aus welcher Klangquelle sie schöpfen, was gerade beim Unterrichten sehr wichtig ist.

Der Weg der ganzheitlichen Stimmentwicklung fordert einen auf, sich mit Bewusstsein -  im Gegensatz zum Kind - rückzuverbinden an einen Teil in uns, der uns als Kind noch selbstverständlich war. Auf diesem Weg erleben die SängerInnen meist in kurzer Zeit, wie einfach Singen sein kann, wie gross und frei ihre Stimme klingt, wie einfach es ist, mühelos in der Höhe und der Tiefe zu singen. Und plötzlich ist die Freude am Singen und am Sich-Mitteilen wieder da. Wenn man wieder angebunden ist an seine innere Schöpferquelle, werden ungeahnte Kräfte frei, und Vieles wird möglich.